BigThink: Wenn Websites keine Designs mehr brauchen (werden)

Wenn wir etwas weiter in die Zukunft blicken, hat Webdesign irgendwann ausgedient. Informationen von Websites werden auf Standard-Designs von Apps ausgegeben werden.

BigThink. Diese neu geschaffene Kategorie beschäftigt sich mit den heutigen SEO-, SEA- und Website-Themen, allerdings in weit ferner (aber doch sehr realistischen und doch irgendwie naher) Zukunft. Sie beschreibt, wie das Internet in mehreren Jahren aussehen könnte.

Entsprechend werde ich in diese Kategorie Artikel packen, die sich vom heutigen Standard (teilweise deutlich) abgrenzen, aber dennoch auf langfristige Sicht nicht unbedacht bleiben sollten.

Wie dieser Artikel, in dem es darum geht, wie Websites in Zukunft auf mobilen Endgeräten ausgegeben werden könnten. Ich spreche hier von Entwicklungen, die in den nächsten 2-20 Jahren stattfinden können. Je nachdem, wie schnell wir von den klassischen Webseiten und -inhalten wegkommen und wir uns als Menschen mittels neuen Geräten sozusagen weiterentwickeln werden.

Kurz gefasst: Ich glaube, dass in Zukunft ein Großteil (zu > 75%) aller Webinhalte auf einem einzigen Standardlayout pro Device ausgegeben werden. Wie ich darauf komme?

Mobile Suche wird die Desktop-Suche weit überholen

Social Media Nachrichtenplattformen Online Magazine

Mobile Suche via Smartphones. Symbolbild: Peter Derrfuss / pixelio.de

Machen wir uns nichts vor. Wenn es das nicht schon ist, dann werden Suchanfragen via mobilen Endgeräten (aktuell „nur“ Smartphones und Tablets) in sehr naher Zukunft noch um ein vielfaches steigen. Das ist nicht nur dadurch begründet, dass immer mehr Menschen zu einer Internetflatrate für Smartphones greifen, weil diese immer günstiger werden. Auch durch noch neuere Geräte werden diese Suchanfragen deutlich zunehmen, um nicht zu sagen „explodieren“.

Wenn wir ca. < 3-5 Jahre in die Zukunft schauen, wird jeder, der etwas auf Technik hält und modern sein will, entweder eine Smart Watch oder eine Smart Glass tragen (z. B. iWatch oder Google Glass). Diese Geräte kommunizieren (zurzeit noch) über Smartphones. Aber selbst wenn sie irgendwann autark mit dem Internet verbunden sind, werden sie keine klassischen Desktop PCs ersetzen. Sie zählen in die mobile Suche mit rein.

Neue Geräte kommen ständig hinzu

Heute sind mindestens zwei Geräte in aktiver Entwicklung und werden teilweise bereits vermarktet: Smart Watches und Smart Glasses. Allerdings ist hier noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Internetfähige Kleidung, intelligente Kühlschränke und so weiter befinden sich momentan ebenfalls in Entwicklung. Und auch internetfähige Kontaktlinsen werden beispielsweise von Google angestrebt und entwickelt.

Echte Suchvorgänge werden in den kommenden Jahren auf jeden Fall diese zwei Devices – aufgrund ihrer Verkaufsmöglichkeiten – durchführen können:

Smart Watches (wie iWatch)

Die iWatch von Apple

Die iWatch von Apple. Foto: Brett Jordan / Flickr (CC-BY 2.0)

Ich bin kein Anhänger der Smart Watch Franktion, da ich finde, dass sie relativ unhandlich sind, obwohl sie an der Hand getragen werden (siehe auch: → SEO und SEA im Jahr 2025 – Ein weiter Ausblick des Online Marketings). Dennoch wird sich der Markt aufgrund der enorm (geschätzten) Anfrage weiterentwickeln. Das Problem: Smart Watches sind in der Ausgabe von lesbaren Informationen sehr stark eingeschränkt.

Smart Glasses (wie Google Glass)

Google Glass

Google Glass. Foto: Tim Fuller / Flickr (CC-BY 2.0)

Anders Datenbrillen wie Google Glass. Auf diesen Devices kann man Websites relativ klar und in relativ guter Vollauflösung ansehen. Dennoch gibt es auch bei Smart Glasses Probleme. Etwas, das alle Smart Devices gemeinsam haben.

Ein Problem, das alle Smart Devices haben

Die Bedienung! Es ist mehr als klar, dass die Bedienung von verschiedenen Websites mit ganz verschiedenen CMS auf ganz verschiedenen Devices eine ganze Flut an Möglichkeiten, aber auch an Nötigkeiten in der Programmierung bedeuten. Weicht eine Möglichkeit – aufgrund von Neuerungen – plötzlich von einem (noch nicht definierten) Standard ab, ist die Steuerung, Eingabe und Ausgabe einer Website auf unterschiedlichen Smart Devices außerordentlich schwierig für den User.

Responsive Design ist nur eine vorübergehende Lösung

Responsive Webdesign ist in unserer Zeit eine hervorragende Möglichkeit, um Websites gleichermaßen auf Desktop PCs als auch auf Smartphones und Tablets relativ optimal auszugeben. Allerdings wird der Trend nicht ewig anhalten. Denn die Ausgabe auf allen in Zukunft zur Verfügung stehenden und unterschiedlichen Devices ist nur unter sehr hohem Aufwand möglich, um alle Ausgaben für jedes Device gleich gut zu basteln. Insbesondere auf einer Smart Watches, den internetfähigen Kontaktlinsen oder anderen, nicht-visuellen Ausgabegeräten. Das ist wirtschaftlich einfach unrealistisch – vorerst.

Aus diesen Gründen könnten relativ schnell Apps für die jeweiligen Devices entwickelt werden, welche Inhalte aus Websites automatisch auslesen und diese für das jeweilige Device optimiert ausgeben – entweder von den Entwicklern der Smart Devices selbst oder Dritte. Mit HTML5-Elementen und Schema.org lassen sich so wichtige Inhalte sehr kompakt auch auf sehr kleinen Displays ausgeben und über alle Smart Devices leicht steuern.

Vorteile der Entwicklung

Übernehmen die Hersteller oder Dritte die Ausgabe auf diesen Devices, ist eine Sonder-Programmierung für jedes einzelne Device für viele Firmen nicht zwingend notwendig. Dazu kommt, dass die Leser immer eine optimale User-Experience erfahren. Informationen erhalten nicht mehr eine „höhere Wertigkeit“ nur aufgrund des Designs, sondern anhand der mitgelieferten Informationen selbst und deren Möglichkeiten, wie man damit umgehen kann.

Nachteile der Entwicklung

Webdesign wäre mit der Zeit unwichtiger. Und Seiten, die heute abhängig von Online Werbung sind, werden massive Einbrüche in ihren Umsätzen erleben. Ein weiterer Punkt ist, dass der Platz 1 für die ultra-personalisierte Suche unvorstellbar wichtig wird, da auf Smart Devices kaum jemand noch weitere Plätze sehen, sondern sofort die richtige Antwort finden will. Auch SEA würde im Bereich der direkten Suche stark unter Druck kommen. (Zum Glück gibt es hier genügend Ausweichmöglichkeiten, die ich in einem anderen Artikel mal erwähnen werde.)

Die Ultra-Personalisierung der Websuche

Web 2.0 is so High School

Web 2.0 is so High School. Foto: Scott Hirsch / Flickr (CC-BY 2.0)

Da in dieser (relativ fernen) Zukunft auch die personalisierte Suche zum Standard werden wird, sind auch (heute moderne, zukünftig) klassische SEO-Maßnahmen weitgehend hinfällig. Monopolisten wie Amazon oder eBay werden weiterhin den Markt gut dominieren können, aber für uns heutigen SEOs in normalen Web-Umgebungen wird sich die Welt drastisch verändern. Dagegen wären Panda, Penguin oder Hummingbird nur laue Lüftchen eines billigen Furzes!

OnPage-Optimierung und der Aufbau eines eigenen Brand sowie die Fokussierung auf die Schwerpunkte des jeweiligen Angebots werden deutlich wichtiger werden. Klassische Keyword-Optimierung wird mit der Zeit jedoch weitgehend in der Bedeutungslosigkeit versinken.

Verlierer dieser Entwicklung wären eindeutig jene, die sich mit Werbeanzeigen (wie Adsense oder anderen) finanzieren. Denn diese Anzeigen würden (egal ob bei Standard- oder Premium-App) einfach rausgefiltert werden. Besonders hart könnte es dann die Nachrichten-Branche treffen, die noch keine weitere Web-Geschäftsidee entwickelt haben (werden).

Gewinner könnten aber jene sein, die selbst einen Brand aufgebaut haben und selbst Produkte verkaufen. Wenn sie es schaffen, sich an die entsprechenden Apps auszurichten (die sich an Schema.org und HTML5 ausrichten werden). Auf jeden Fall wäre der User einer der größten Gewinner, der per User-Experience ein ganz neues Internet für sich entdecken wird.

Geile Inhalte zählen: Responsive Content wird den Markt übernehmen

Responsive Content

Responsive Content. ZIP Icon: visualpharm.com (License: Linkware)

Was den Suchmaschinenmarkt noch angeht: Ich habe jetzt einige Wochen über Responsive Content nachdenken können (mein erster Artikel dazu hier: → Responsive Content – der Weg ins SEO Web 3.0?) Und mittlerweile denke ich, dass dieser Bereich eine extrem wichtige Rolle in der Zukunft spielen kann. Wenn ich komprimierte Inhalte für Smart Watches oder Smart Glasses ausgeben kann (mit der Möglichkeit, auch den vollen Content anzeigen zu lassen), dann wird sich etwas in der Richtung auf diesen Devices mittel- bis langfristig durchsetzen. Weil keiner öden-langen Text lesen will, sondern die beste User-Experience für seine Suchanfrage fordert. Auch Suchmaschinen wie Google werden das feststellen und uns entsprechend belohnen.

QR-Codes werden Verlinkungen im Real Live

QR Code.

QR Code. Wo der wohl hinführt?

Da es im Real Live – wie in Büchern oder auf Werbeplakaten – keine klickfähigen Links gibt, werden sich QR-Codes dank Smart Glasses auf lange Frist doch durchsetzen, davon bin ich überzeugt. Smart Devices (insbesondere Smart Glasses) können die QR Codes in Real Time scannen und auch später verfügbar anzeigen. Einige Gedanken dazu hatte ich im Artikel → QR Codes und Google Glass: Wie klassische Werbemittel mit der Datenbrille verschmelzen bereits beschrieben.

Web 3.0: Einschränkung der Möglichkeiten und gleichzeitig Befreiungsschlag

Halten wir anhand dieses BigThinks fest:

  • Mit neuen Smart Devices wird die Anzahl an mobilen Suchen exponentiell noch schneller zunehmen, als es heute schon der Fall ist
  • Da der Mensch faul ist, wünscht er sich auf seinen Smart Devices die möglichst einfachste Bedienungsform, die möglich ist
  • Durch zu viele Website-Typen, CMS, Plugins, Extentions, Templates und Themes, usw. wird die Einführung von neuen „Standards“ früher oder später stattfinden
    • Möglich oder wahrscheinlich: Über Standardisierung der Ausgabe auf den Geräten (via Apps oder direkt per Browserausgabe vom Hersteller)
  • Chancen für viele Shops und Websites, aber Nachteile für alle, die sich mit Werbung finanzieren
  • Einheitliche User-Experience für alle, aber auch Wegfall von Individualität

Fazit: Gewaltige Änderungen in der Web-Welt in den nächsten Jahren

Sollte dieser Fall eintreten – was zumindest nicht undenkbar ist – dann wird sich die Web-Medienwelt deutlich verändern. Klassische Werbung im Internet wäre damit nutzlos, während Verkauf auf der eigenen Website und Suchmaschinen selbst gut gefördert werden kann. Die User-Experience steigt für alle Suchenden mit verschiedenen Devices ganz automatisch. Aber es geht auch ein ganzes Stück an Kreativität und Individualität im Netz verloren.

Aber egal wie sich der Markt entwickelt, mit den neuen Devices dürfen wir ohnehin gespannt sein, wie sich die Zukunft von SEO, SEA und Webbsites entwickeln wird. 😉

BigThinken wir gemeinsam weiter. Was meint ihr? Ist dieses Szenario für euch in mittel bis ferner Zukunft realistisch? Welchen Punkten stimmt ihr nicht zu – oder eben doch? Ich bin auf Kommentare gespannt… 🙂


3 Meinungen

  1. Pingback: Wie sieht die Zukunft des Webdesigns aus?

  2. Avatar for Pascal Horn

    Hallo Pascal,

    grundsätzlich gebe ich dir Recht das sich in den nächsten Jahren viel ändern wir. Wer weiß vielleicht kann man sich in 20 Jahren irgendwelche Chips in das Gerin einsetzten (für mich ein schrecklicher Gedanke) die Ergebnisse etc. direkt in das Gehirn senden. Natürlich hat das Internet auch unsere DNA verändert aber ich denke dass die meisten Menschen erstmal visuell orientiert sind und dann erst ergebnisorientiert. Was ich damit sagen will ist egal wie die Websites in der Zukunft aussehen werden ein Design und einen Designer wird es (hoffentlich) immer geben. Das lässt sich schnell begründen, siehe die Mode. Ich denke nicht dass in Zukunft alle die gleichen Klamotten und Farben tragen werden. Und ich als Webdesigner und Romantiker sage „Farben und Formen sprechen eine Sprache die wir unbewusst verstehen“.

    Ich habe als dein „Artikel Partner“ auch zu diesem Thema einen Artikel verfasst.

    Grüße Mika

  3. Avatar for Pascal Horn

    Hallo Pascal,
    definitiv eine interessante Prognose. Man muss ja nur zehn oder gar zwanzig Jahre zurückdenken, wie die Mediennutzung „damals“ ausgesehen hat und wie viel sich geändert / entwickelt hat.
    Alleine für längere Texte, Videos usw. kann ich mir aber den Verzicht auf entsprechend große Screens aktuell kaum vorstellen (vielleicht fehlt mir auch die Phantasie dafür).
    So kann ich mir eher vorstellen, dass das Design dann noch „konzentrierter“ ist, also Farben, Typo, Bilder noch mehr Bedeutung im Gestaltungsprozess bekommen, weil sie noch genauer/exakter/feiner erstellt werden müssen. Auch weil weniger Raum bleibt – zeitlich und physikalisch – optisch zu überzeugen, bzw. das Markendesign zu vermitteln.
    Dies unabhängig davon, dass „Content“ weiterhin wichtig/wichtiger wird…

    Viele Grüße
    Martin

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