SEO: Guest Blogging wird zum Black Hat SEO erklärt – oder doch nicht?

Matt Cutts, der Anführer des Webspam Teams von Google, hat in seinem neuesten Blogartikel vom Verfall von Gastbeiträgen in SEO-Blogs geschrieben. Werden Gastbeiträge jetzt generell zum erklärt oder was meint er wirklich damit?

SEO-News. In seinem neuesten Artikel The decay and fall of guest blogging for SEO (→ Link) hat Matt Cutts gestern etwas verlauten lassen, was die SEO-Szene ordentlich aufgeschreckt hat. Darin mahnt er die Masse an Gastbeiträgen an, nur um an Backlinks für die eigene Seite zu kommen. Und weiter, dass das Google Webspam-Team auf Gastbeiträge in naher Zukunft ein Auge werfen wird. Sprich: Guest Blogging wird zum Blackhat SEO erklärt.

Matt Cutts auf der SMX Advanced 2012.

Matt Cutts auf der SMX Advanced 2012. Foto: Michael Dorausch / Flickr (CC-BY-SA 2.0)

Okay, I’m calling it: if you’re using guest blogging as a way to gain links in 2014, you should probably stop. Why? Because over time it’s become a more and more spammy practice, and if you’re doing a lot of guest blogging then you’re hanging out with really bad company. […]

Given how spammy it’s become, I’d expect Google’s webspam team to take a pretty dim view of guest blogging going forward.

Matt Cutts, The decay and fall of guest blogging for SEO

Und heute kam es mir dann so rüber, als würde jeder zweite Suchmaschinenoptimierer vor lauter Panik im Dreieck springen, weil seine SEO-Methode jetzt deutlich hinterfragt werden muss.

Ganz ehrlich: Wen die Aussage von Matt Cutts schockt, der hat Suchmaschinenoptimierung nicht wirklich verstanden.

SEO. Nicht um jeden Preis!

SEO: Inhalte und Content vor Linkbuilding!

SEO: Inhalte und vor Linkbuilding!

Suchmaschinenoptimierung ist weitaus mehr als das generieren von Backlinks. Suchmaschinenoptimierung im Jahr 2014 und darin insbesondere der Offpage-Bereich bedeutet den Mehrwert einer Website (inklusive den Artikeln bei Gastbeiträgen) so zu steigern, dass diese aufgrund des Mehrwerts schon von alleine verlinkt oder auf sozialen Plattformen geteilt werden. Die Inhalte müssen so gut sein, dass sie für den Besucher auch wirklich relevant sind. In jeglicher Form.

Jedoch sollten die Optimierungsmaßnahmen nicht erfordern, seine Seite manipulativ nach vorne katapultieren zu wollen.

Wie ich vor wenigen Tagen erst in meinem Artikel SEO. Nicht um jeden Preis! schrieb:

Wenn mir eine Information einen deutlichen Rankingvorteil verspricht und es ein manipulativer Akt der Beeinflussung des Rankings ist, dann wird dieser mit der Masse der Umsetzenden exponentiell schneller als Rankingfaktor wieder ausradiert.

Miese Qualitätsrichtlinien beim Guest Blogging und Artikeltausch

SEO Facepalm

SEO Facepalm. Foto: Brandon Grasley / Flickr (CC-BY 2.0)

Jedoch sind >95% des Guest Bloggings genau zu diesem Status von uns SEOs verfallen (worden), weil jeder nur auf seinen eigenen kleinen Vorteil fixiert ist. Da werden bei Artikeltausch- und Gastartikel-Anfragen per E-Mail bestimmte Qualitätsrichtlinien festgelegt, und hinterher bekommt man Artikel mit:

  • 200 – 400 Wörter
  • Unique Text
  • 1-2 Links
  • Mit Glück noch ein Artikelbild, an dem die Urheberfrage aber nicht geklärt wird.

Liest man sich den erhaltenen Text dann durch, so behandelt dieser meist ein großes Money-Keyword, jedoch nur an der Oberfläche kratzend, in keinerlei Tiefe gehend, ohne wirklichen Inhalt, ohne Story hinter der Geschichte, ohne Leben im Artikel.

Liebe SEO-Kollegen, das ist doch scheiße!

Und genau diese Scheiße diesen Umstand will auch Matt Cutts und das Google Webspam-Team einfach nicht mehr sehen.

Auch SEO-„Spam“-Blogs werden als Publisher betroffen sein

Schon heute sieht man nur noch wenige dieser klassischen SEO-Blogs, die eine Sichtbarkeit von mehr als 0,01 haben. Was aber am Horizont schon sichtbar ist: Diese klassischen „SEO-Tauschblogs“ oder Blogs, auf denen so viele Gastartikel veröffentlicht werden, müssen und werden im Web reduziert werden.

Sprich: Die Messlatte zur Verhängung einer „Pure Spam“-Penalty (welche 0 Seiten im Google Index bedeutet), wird niedriger werden. Und auch andere Abstrafungen und Filter werden in diesem Bereich zunehmen. Und das völlig zurecht.

Bedeutet das, dass Gastartikel grundsätzlich Blackhat sind?

Fragen zu SEO

Sind Gastartikel dann ganz verboten im SEO? Foto: Colin Kinner / Flickr (CC-BY 2.0)

Nein! Gastartikel sind auch nach wie vor „erlaubt“ und Whitehat SEO. Gastartikel dürfen halt nicht mehr zu reinen SEO-Zwecken geschrieben werden (wobei auch Gastartikel zu SEO-Zwecken nie wirklich gutes SEO waren).

Ein großer Unterschied!

Du kannst weiterhin Gastartikel schreiben. Aber nimm dir dann doch bitte diese Checkliste für Whitehat-Gastartikel zur Hand:

Checkliste für Whitehat Gastartikel

Grünes Licht: Der Link ist für das Linkprofil gut.

Das werde ich machen für meine Gastartikel. Foto: A_of_DooM / Flickr (CC-BY 2.0)

Ich werde:

  • so lange schreiben, bis der Artikel fertig ist.
    Keine exakt 300 Worte. Ich schreibe den Artikel in seiner gesamten Komplexität, bis ich ihn abgeschlossen habe.
  • meine Inhalte durch Bilder und Videos aufpeppen
    Quelle der Bilder egal, solange das Urheberrecht nicht verletzt wird. Aber: Bilder und Videos verwenden, wann immer es passend (und nicht zuviel) ist.
  • auch andere Quellen nennen.
    Wann immer es einen Mehrwert bietet, auch andere Websites oder Posts zu erwähnen, werde ich das mit Zitaten und Verlinkungen tun.
  • Eine Geschichte erzählen oder einen Mehrwert liefern.
    Mein Gastartikel hat einen Mehrwert. Er beschreibt eine aktuell neue Situation, eine Geschichte, eine Hilfe für die Leser des jeweils anderen Blogs oder sogar ein ganzes Tutorial.
  • mich nur noch an den guten Seiten orientieren.
    Blogs, welche nur Beiträge aus Artikeltausch oder Gastbeiträge der niederen Qualität veröffentlichen, meide ich konsequent.
Linkprofil analysieren mit einem Ampelsystem

Das werde ich in meinen Gastartikeln grundsätzlich unterlassen. Foto: NeilGHamilton / Flickr (CC-BY 2.0)

Ich werde nicht:

  • nur an SEO und den denken.
    Ist doch egal, ob das Keyword verlinkt wird oder ob die Zielseite stimmt. Solange mein Link in seinem Kontext einen direkten Mehrwert für den Artikel liefert. Frag dich selbst: Würden Menschen auf diesen Link klicken, um wirklich mehr erfahren zu wollen?
  • mehr Artikel verschicken, die an der Oberfläche kratzen.
    Ich gehe in das Thema tief rein. Ich erkläre oder beschreibe etwas mit Geschichte, ins Detail. Ich helfe den Lesern des anderen Blogs direkt.
  • die Leser des anderen Blogs ignorieren.
    Was veröffentlicht der andere Blog? Welche Zielgruppe hat der Webmaster? Wie kann ich dafür sorgen, dass der Leser des jeweils anderen Blogs staunt oder ihm geholfen wird? Das muss ich bringen!
  • nur einmalig an diesen Blog denken.
    Nur, weil ich von der schon mal einen Link erhalten habe heißt das nicht, dass es das war. Wie kann ich auch in Zukunft weitere Hilfen, Tutorials oder Geschichten erzählen und so weitere Gastartikel – vielleicht auch mal ohne Link – dem Betreiber anbieten?
  • Bleiwüsten als Gastartikel versenden.
    Mein Artikel muss gut strukturiert und formatiert sein. Zwischenüberschriften und sinnvolle Absätze und Zwischenabsätze sind wichtig zum leichteren lesen. Mediale Zwischensequenzen wie Bilder und Videos peppen den Text auf. Und Keyword-Density oder WDF*IDF sind mir bei der Artikelerstellung egal. Struktur und Formatierung in meinem Gastartikel sind wichtig!
Fragen zu SEO

Selbstkritische Fragen stellen im SEO. Foto: Colin Kinner / Flickr (CC-BY 2.0)

Ist mein Gastartikel:

  • es würdig, gelesen zu werden?
    Biete ich diesen Mehrwert in meinem Gastartikel oder ist es am Ende nur Zeitverschwendung, den Artikel zu lesen?
  • es würdig, verlinkt zu werden?
    Würden andere Blogger und Webmaster freiwillig auf diesen Artikel verlinken und selbst daraus Zitate schöpfen? Ohne, dass sie meine Seite, sondern nur den Gastbeitrag auf dem anderen Blog zitieren oder verlinken würden?
  • es würdig, geteilt zu werden?
    Werden die Leser den jeweiligen Gastartikel auf der fremden Website genauso teilen, wie ein Artikel, den ich auf meinem eigenen Profi-Blog veröffentlichen würde? Geben diese dafür einen Like, einen Share, einen Tweet oder ein +1?
  • gut genug, dass ich selbst der Autor sein möchte?
    Möchte ich selbst als Autor mit dem Artikel in Verbindung gebracht werden?
  • gut genug, dass mich meine Freunde nicht als totalen Vollpfosten, sondern als Experte ansehen würden?
    Was würden meine Freunde und Kollegen sagen, wenn sie diesen/meinen Artikel lesen würden? Wären auch diese bereit, sich mit mir und meinem Artikel in Verbindung bringen zu lassen?

Mehr Infos zum Thema Gastartikel und SEO

Wenn du diese Punkte durchgehen kannst ohne anzuecken, dann sollte dein Gastartikel kein Problem im Bereich der Suchmaschinenoptimierung darstellen.

Mehr Infos im Netz

Ein paar weitere SEO Blogs, die zu Matt Cutts Aussage ein Statement abgegeben haben möchte ich hier auch verlinken – freiwillig, weil die es verstanden haben. 😉

Mehr Infos auf nBlogs

Und Artikel aus meinem Blog kann ich noch anheften:

2 Comments

  1. Hallo, mal wieder ein sehr guter Artikel. Und was mich überrascht war, das ich das was im Artikel stand eigentlich kenne. Ich kann eigentlich schon ein ganzes eBook herrausgeben mit dieser Art von „Gast-Artikeln“, würde dann aber kein Bestseller werden. Vielleich sollte ich euern Artikel in meiner Automatik-eMail Antwort verlinken, oder Besser noch gleich auf der Webseite um diese Art Artikel garnicht erst zu bekommen. Schönen Tag noch und weiter so. Vg. Maik Strunk

    1. Hallo Maik,

      ja, eigentlich weiß das ja jeder „gute“ Suchmaschinenoptimierer und Webmaster. Im Prinzip ist das ja auch nichts neues, sondern nur aus aktuellem Anlass mal wieder etwas hochgestochenes.

      Nur erkenne ich auch leider die Beschränknis der tatsächlichen Umsetzungsmöglichkeiten bei den meisten SEOs – insbesondere, wenn sie für eine Firma und nicht für sich selbst arbeiten. Ich kann jeden Linkbuilder verstehen. Viele wollen mehr machen, können es aber aufgrund der Vorgaben der eigenen Firma nicht durchsetzen.

      Ein ganz großes Problem. Und genau an diesem Problem werden sich in sehr naher Zukunft die guten Firmen und Agenturen von den schlechten absetzen.

      Den Artikel darfst du natürlich jederzeit in deinen Mails verwenden. 😉

      Schöne Grüße

      Pascal

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