SEO: Google Pagerank – Wahrheiten und Mythen

Der Pagerank wird in der SEO-Szene häufig als Maßstab für die Bewertung der Qualität einer Website eingesetzt. Welche Mythen sich um den Pagerank scheren und was tatsächlich wahr ist, erläutern wir in diesem Artikel.

SEO Mini-Tutorial. Was ist eigentlich der Pagerank von Google? Handelt es sich dabei um ein verlässliches Mittel zur Analyse und Bewertung der Qualität einer Website? Oder ist es nur eine Zahl von vielen, die man kaum berücksichtigen sollte?

Kaum ein Faktor ist insbesondere bei Einsteigern im Bereich der Suchmaschinenoptimierung so hoch angesehen wie der Pagerank. Es gilt, einen immer höheren Pagerank zu erhalten um zu zeigen, dass man es drauf hat.

Allerdings: Wenn man in dem Bereich längere Zeit unterwegs ist merkt man relativ schnell, dass es sich hierbei nur um eine mehr oder weniger fiktive Zahl handelt. Die Qualität einer Website ist damit nicht messbar und der wahre Wert der Inhalte schon gar nicht. Gehen wir dazu also mal 10 Mythen durch, die wir mit Fakten belegen oder revidieren.

Inhaltsverzeichnis

Disclaimer: Das hier ist alles Theorie, aber…

Ich bitte euch, die folgenden Punkte nicht zu ernst zu nehmen. Denn wer wirklich gutes SEO machen möchte, der schaut nicht auf Pagerank oder irgendwelche billigen Zahlen. Der Pagerank ist ein Rankingfaktor, ja. Aber im Gegensatz zu so vielen anderen Faktoren ist er eher ein Mückenschiss im Wind. Fokussiert euch also nicht auf den Pagerank, sondern lieber auf gute Inhalte. Das hier ist nur eine Abarbeitung von Fakten, die eine relativ geringe Auswirkung haben.

Fakten und Mythen zum Google Pagerank

Mythos #1: Der Pagerank kann unendlich hoch sein

Pagerank 11 ist unmöglich!

Pagerank 11 ist unmöglich! Eigenes Bild

Nein. Es gibt den Pagerank nur in ganzen Zahlen zwischen 0 und 10. Niedriger als 0 kann er nicht fallen; höher als 10 kann er aber auch nicht steigen. Das ist eine Art Konstante, eine Wertkette, in der sich der Pagerank aufhalten kann. Es gibt auch keinen Pagerank 3,4 oder 7,1 – der Pagerank ist immer nur in ganzen Zahlen nach außen sichtbar da (0, 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9 oder 10).

Hat eine Website einen Pagerank „n/a“ oder -1 in der Toolbar bedeutet das entweder, dass die Webseite seit dem letzten Pagerank Update noch nicht (erneut) eingestuft wurde (weil die Seite z. B. neu ist) oder, dass sie eine „Pagerank-Penalty“ erfahren hat (eine Art „Abstrafung“ seitens Google, damit von Google bewusst kein Pagerank ausgeliefert wird, weil die Seite vermutlich fiese Tricks zur Manipulation des Pageranks angewendet hat).

Umkehrschluss: Für den normalen Webmaster ist der Pagerank begrenzt

Allerdings ist für einen „normalen“ Webmaster nur ein Pagerank zwischen 0 und 7 erreichbar; um einen Pagerank 8, 9 oder sogar 10 zu erreichen benötigt man Unmengen an hochqualitativen Links. Warum und mehr dazu gleich.

Mythos #2: Der Pagerank bewertet die Qualität von Webseiten und Inhalten

Qualität ist nicht gleich Quantität.

Qualität ist nicht gleich Quantität. Bild: Rjgodoy / Wikipedia (CC-BY-SA 3.0)

Einer meiner Lieblingsmythen. Nein, der Pagerank hat absolut gar nichts mit dem Inhalt oder der Qualität einer Webseite zu tun. Eine Website kann sogar vollkommen als „Pure Spam“ bei Google geflaggt sein und trotzdem Pagerank haben. Sprich: Die Website wurde so stark abgestraft, dass keine einzige Seite der Domain im Google Index auftaucht, und trotzdem hat sie beispielsweise einen Pagerank 3.

Fakt: Der Pagerank bewertet die Seite nach den eingehenden Links

Was der Pagerank macht ist, die Links, die auf diese Seite zeigen, zu bewerten. Dabei ist die Qualität der jeweiligen Links entscheidend. Je häufiger ein Link intern verlinkt wird und je höher der „allgemeine“ Pagerank der linkgebenden Seiten ist SOWIE je höher der Pagerank der  linkgebenden, externen Quellen ist, desto höher wird der Pagerank für diese Seite sein. Wie hoch der „Anteil“ des übermittelten Pageranks ist hängt außerdem davon ab, wie viele weitere Links sich auf der jeweiligen anderen Seite befinden. Auch wenn man einen Link von einer Pagerank 10-Seite erhält kann deren Pagerank-„Weitergabeeffekt“ extrem niedrig ausfallen, sodass es fast gar nicht mehr ins Gewicht der Berechnung des Pageranks fällt.

Mythos #3: Der Pagerank bewertet immer die Domain

Auch die Behauptung ist nicht richtig. Für jede einzelne Unterseite einer Domain, auch wenn sie hunderttausende von Unterseiten hat, wird ein eigener Pagerank ermittelt und zugewiesen. Die Startseite selbst erhält dabei in den meisten Fällen den höchsten Pagerank, da sie von allen Unterseiten zumeist über ein Logo oder einen „Startseite“-/“Homepage“-Link selbst verlinkt wird. Dadurch wird der Pagerank von jeder Unterseite zu einem nicht unwesentlichen Bruchteil auf die Startseite weitergeleitet.

Fakt: Der Pagerank ist auf jeder einzelnen Unterseite einer Domain unterschiedlich

Dennoch: Jede Unterseite erhält einen eigenen Pagerank. Und der berechnet sich unter anderem daraus, wie die Seite intern verlinkt wird und ob die Seite auch von externen Quellen (also dritten Webseiten) verlinkt wird.

Mythos #4: Der Pagerank steigt kontinuierlich

Pagerank Beispiel.

Pagerank Beispiel. Bild: Zetkin / Wikipedia (CC-BY-SA 3.0)

Ganz so einfach ist es nicht. Zwar besagt die Pagerank-Gleichung, die den Google Pagerank ermittelt, dass dieser einem linearen Gleichungssystem folgt. Allerdings muss man berücksichtigen, dass sie sich in einer Art Matrix befindet, die variabel ist. Anders gesagt, je mehr die Anzahl an Webseiten im Netz zunimmt (und das tut sie in einem exponentiellen Zustand), desto schwieriger wird es, den aktuellen Pagerank zu halten oder zu verbessern. Dazu kommt, dass dieser Effekt auch auf alle anderen Seiten zutrifft, die mich verlinken. Das heißt, der „übermittelte Pagerank“ von Links sinkt ebenfalls, wodurch mein eigener Pagerank ebenfalls sinkt.

Fakt: Je höher das Pagerank-Level ist, desto schwieriger wird es, einen noch höheren Pagerank zu erhalten

Man kann es so abkürzen: Je höher (m)ein aktueller Pagerank ist, desto schwieriger wird es, ein noch höheres Level zu erreichen.

Mythos #5: Wenn ich mal einen Pagerank X erreicht habe, kann ich nicht mehr schlechter werden

Wie bereits im Mythos/Fakt 4 erklärt, kann der „Wert“ des übermittelten Pageranks sinken. Nicht, weil die Konstante kaputt ist, sondern weil gewisse mathematische Werte darin variabel sind. Das bedeutet, dass wenn sich diese (Anzahl an Webseiten) ausdehnen, dass sich die Summe des übermittelten Pageranks vermindert.

Zweiter Aspekt: Es können ja auch jederzeit Links und Linkquellen entfernt werden. Z. B. wenn eine Website komplett gelöscht wird. Dann fehlt mir plötzlich ein Link, der vorher noch richtig Power gegeben hat. Oder es wird der Artikel bzw. Inhalt gelöscht, z. B. aus Gründen einer Abstrafung. Wenn Links entfernt werden, fehlt mir die Power und mein Pagerank sinkt.

Dritter Aspekt: Der Inhalt der linkgebenden Seite verändert sich so, dass nun mehr Links vorhanden sind. Dann verhält es sich wie ein Stück Kuchen, der für alle gerecht aufgeteilt werden muss. Der „prozentuale“ Wert eines Links nimmt mit der Anzahl der Links auf der Seite ab.

Vierter Aspekt: Die Links werden „Pagerank-wertlos“ – z. B. durch das Setzen des Nofollow-Attributs aus „Eigenschutzes“. Dadurch wird kein Pagerank mehr an die verlinkten Seiten weitergegeben. → Lesetipp: SEO-Lexikon: Was ist ein Nofollow-Link?

Der gleiche Effekt gilt natürlich auch für die linkgebende Seite. Sinkt deren „Pagerank“ aufgrund dieser Möglichkeiten, wird auch die Linkpower für mich als Verlinkter schwächer.

Und so könnte an es weiter abarbeiten. Man merkt, dass der Faktor von zig tausenden Sachen abhängig ist, die ich nicht direkt beeinflussen kann…

Fakt: Doch, der Pagerank kann sinken

Kann eine Website den Pagerank verlieren? Ganz klar ja. Wenn man also einen hohen Pagerank haben möchte, sollte man regelmäßig gute Links aufbauen.

Mythos #6: Pagerank 8, 9 und 10 sind für jeden normalen Webmaster erreichbar

Aus Mythos 1, 4 und 5 ergibt sich eigentlich schon die Antwort. Trotz „Konstanten“ haben wir es hier mit einem exponentiellen System zu tun, da sich Variablen darin „verstecken“. Das bedeutet, dass es immer schwieriger wird, ein noch höheres Pagerank-Level zu erreichen, als man es vorher hatte.

Fakt: Pagerank 8, 9 und 10 sind „limitiert“

Ich will nicht dahin gehen wie es früher mal hieß: 30 Domains haben einen Pagerank 10 und mehr werden es niemals sein. Aber aufgrund des mathematischen Systems ist es äußerst schwer eine Website aufzubauen, die alleine auf der Startseite einen Pagerank von 8 oder höher erreicht.

Mythos #7: Je höher der Pagerank einer Seite, desto wertvoller ist ein Backlink von dieser Seite

Hier wird es zum ersten Mal spannend, insbesondere für alle Linkbuilder da draußen. Ja, der Pagerank ist aufgrund seiner mathematischen Funktion ein sehr schneller Faktor zum Einschätzen einer Website und der potentiellen Qualität eines Links von dieser Website. Er sagt uns, wie „stark“ ein Link von dieser Seite sein könnte. Oder eher, wie viel Pagerank die Seite weitergeben kann. Theoretisch: Je höher der Pagerank der linkgebenden Seite, umso besser wirkt der Link.

Richtig..? Naja, eher… Falsch. Die Qualität eines Links wird zwar auch anhand des Pageranks gemessen, aber das ist nur ein sehr einfacher mathematischer Wert, der da mit einfließt. Andere Faktoren sind heute deutlich wichtiger:

  • Ist die Seite themenrelevant?
    Was nützt mir ein PR10-Link von einer Seite des Weißen Hauses, wenn ich eine KFZ-Werkstatt betreibe und kein Bezug hergestellt wird?
  • Macht der Artikel Sinn?
    Handelt es sich bei dem Inhalt und der Position des Links innerhalb des Artikels um etwas, was wirklich sinnvoll ist? Etwas neues, etwas, das eine Geschichte erzählt, oder ist es nur Oberflächenkratzen mit null Informationsgehalt?
  • Macht der Link Sinn?
    Wo befindet sich der Link und gibt es im Kontext genügend Anreize, den Link tatsächlich zu folgen?
  • Klicken Menschen auf den Link?
    Wie würde ich als Mensch auf diesen Link reagieren? Ist er wichtig genug darauf zu klicken? Oder frage ich mich eher, warum die linkgebende Seite jetzt da einen Link eingefügt hat?
  • Bietet der Link, der Artikel sowie die gesamte Website einen Mehrwert für die Besucher?
    Bin ich als Leser in der Situation geradezu gewillt, den Link zu klicken oder bietet der Kontext schon die Information, dass wenn ich mehr wissen will, quasi unbedingt auf diesen Link klicken muss? Oder ist es am Ende nur ein Text mit blauer unterstrichener Schrift wo ich mich ernsthaft frage, was das für einen Sinn hat?

Fakt: Themenrelevanz und Logik hinter einem Backlink sind deutlich wichtiger

Der Kontext, der Content und die Website, in dem der Backlink steht, ist entscheidend. Es ist sogar entscheidend, wo sich der Backlink befindet (Content-Bereich super, Sidebar, Kommentar- oder Footerbereich schlechter). Die Frage ist aus Sicht der jeweiligen Unterseite, wie logisch ein Link tatsächlich ist.

Mythos #8: Der Pagerank ist (k)ein Rankingfaktor

Diesen Punkt kürze ich gerne ab. Doch und Ja, der Pagerank ist ein Rankingfaktor.

Fakt: Ja, er ist ein Faktor, aber verschwindend gering

Ja, er ist ein Faktor. Aber er ist im Gegensatz zur Logik, zum Content/Kontext und zum Anchortext (der von vielen SEOs bereits als Nonsens betitelt wird) ein noch schwächerer Faktor.

Mythos #9: Der Pagerank wird nur alle paar Monate aktualisiert

Die Toolbars und jede professionelle PC-Software und jedes Online-Tool geben uns den aktuellen Pagerank wieder, der nur alle Monate aktualisiert wird. Richtig?

Fakt: Der Pagerank wird täglich aktualisiert, nur nicht in den Toolbars

Falsch. Der Pagerank wird bei Google intern quasi in „relativer“ Echtzeit ermittelt. Bei Google gibt es intern nahezu jeden Tag ein „Pagerank Update“. Nur geben sie es nicht jeden Tag auch öffentlich über die Toolbar heraus.

Mythos #10: Der Pagerank heißt „Page“Rank, weil er ein Ranking für die Page ist

Eric Schmidt, Sergey Brin und Larry Page von Google

v. l.: Eric Schmidt, Sergey Brin und Larry Page von Google. Foto: Joi Ito from Inbamura, Japan / Wikimedia (CC-BY 2.0)

Der Pagerank berechnet sozusagen den „Linkwert“ einer Seite, einer Page. Deswegen heißt er Pagerank? Das ist falsch.

Fakt: Der Name Pagerank stammt von einem der Google-Gründer: Larry Page

Der Originalname geht auf einen der Gründer der Google Suchmaschine zurück: Larry Page, der auch die Orignalfassung des Algorithmus zur Erfassung und Berechnung „seines Ranks“ gemacht hatte.

Fazit: Der Pagerank ist unwichtig, und doch nicht so ganz…

Unabhängig von Linkbuilding oder anderen SEO-Manipulationen: Mit dem Pagerank haben wir eine erste Zahl um festzustellen, wie stark und mit welcher Qualität eine Website von anderen empfohlen wird. Je höher der Wert, desto höher ist zumindest die Wahrscheinlichkeit, dass die Website auf normalem Wege von großem Potential ist.

Allerdings muss man den Pagerank immer hinterfragen bzw. darf seinen Wert niemals zu hoch stellen. Denn er ist zu einfach via Linkbuilding zu manipulieren. Am Ende ist auch er nur eine Zahl von vielen, die beim erfolgreichen SEO berücksichtigt werden kann.

Aus heutiger Sicht empfehle ich, auf den Pagerank gar nicht mehr zu achten. Der gesunde Menschenverstand sagt beim Anschauen einer Website schon, ob es sich um eine gute oder eine schlechte Website handelt.

Dennoch und wie gesagt: Man kann ihn als allerersten Anhaltspunkt nehmen, um die Qualität der Backlinks zu dieser Webs(e)ite zu bewerten.

Bauchschmerzen: Warum ich diesen Artikel nie schreiben wollte

Der Pagerank war und ist schon immer eine erste Kennzahl zur Ermittlung der Backlink-Qualität einer Website. Da sie aber nur etwas über die (Back-/interne)Linkstruktur sagt, ist das absolut kein Faktor für die eigentliche Qualität einer Seite. Was diesen Punkt der Manipulation der eigenen Position in den Suchmaschinen angeht, habe ich bereits in den Artikeln

ausführlich geschildert. Deswegen ist es mir hier wichtig, die Zusammenhänge zu erklären, nicht aber dazu anzustiften, einen höheren Pagerank „um jeden Preis“ zu erhalten. Das ist der falsche Weg und wird aus rein logischen Gründen nicht zum langfristigen Erfolg führen können.

Die „Bauchschmerzen“ ergeben sich dadurch, dass man diesen Artikel dazu gebrauchen könnte um den Pagerank so zu beschreiben, um möglichst viel davon einzusammeln – zu seinem eigenen Vorteil oder den Vorteil eines Kunden. Und dann würde ich jene, die dem folgen würden, direkt in die falsche Richtung lenken. Deswegen wollte ich diesen Artikel über den Google Pagerank eigentlich nie schreiben.

Aber da es kein Ende gibt und ich jedes zweite Mal im „SEO-Gespräch“ mit Dritten darauf angefragt werde, wollte ich die Gedanken einmal nieder schreiben.

Mehr Infos zum Pagerank


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