SEO. Nicht um jeden Preis!

Wer selbst im Bereich der Suchmaschinenoptimierung tätig ist, verliert vor lauter Optimierungswahn schnell „das Große Ganze“ aus dem Blick. Mein Appell: SEO ja, aber nicht um jeden Preis.

SEO Tutorial / Wissenswertes. Ich selbst stehe als SEO Manager in einer Online Marketing Firma auch heute noch oft zwischen zwei Fronten, die ich beide durchaus gleich verstehen kann. Und ich bin auch Befürworter beider Parteien.

Eine SEO Abteilung in einer Online Marketing Agentur hat kurz gesagt den Auftrag, ein definiertes SEO-Ziel für den Kunden zu erreichen – nur zu häufig aber mit allen Mitteln. Und die andere Seite sagt, dass vor lauter SEO keine wirkliche Aktion zustande kommen kann, da sich der User schon nach zwei Sekunden vor dem eigentlichen Inhalt von Keywords belästigt fühlt.

Nun muss ich die Aussage oben „mit allen Mitteln“ eben ins Kreuzfeuer dieses Artikels stellen.

Kurz der Disclaimer: Nein, wir machen das in unserer Agentur nicht so, aber ich sehe genau diese Vorgehensweise heute noch in vielen Angeboten, die uns zum Vergleich zugeschickt werden und zu denen wir dann ein Statement abgeben sollen.

Gleichzeitig frage ich mich bei manchen SEO-News oder zufälligen Entdeckungen häufiger, was die jeweilige Information wirklich bringt (und da beziehe ich mich und auch meine gemachten Entdeckungen mit ein). Wenn mir eine Information einen deutlichen Rankingvorteil verspricht und es ein manipulativer Akt der Beeinflussung des Rankings ist, dann wird dieser mit der Masse der Umsetzenden exponentiell schneller als Rankingfaktor wieder ausradiert.

Für eine professionelle Agentur stehen diese Fragen jedoch gar nicht erst im Fokus. Diese Frage ist für eine Online Marketing Agentur wichtig:

Was ist der höchste Wunsch des Kunden? Das „Große Ganze“…

Wenn ein Kunde zu einer Online Marketing Agentur kommt, hat er eine Nachfrage, ein Defizit. Sein Produkt oder seine Dienstleistung verkauft sich im Internet noch nicht zureichend und diesen Zustand gilt es zu verbessern.

Im Online Marketing erreicht man das mit verschiedenen Mitteln: Bezahlte Anzeigen (z. B. Adwords), Suchmaschinenoptimierung, Social Media Marketing und -Optimierung, E-Mail Marketing usw. Wenn alles gut zusammen arbeitet, verringert man das Defizit des Großen Ganzen.

Jeder dieser Bereiche entwickelt aber schnell ihre eigene Definitionen von Erfolg. So ist es bei Suchmaschinenoptimierung zum Beispiel ein Ziel, die Seite zu einem oder mehreren bestimmten Suchbegriffen auf Platz 1 zu bringen. Oder allgemein die Sichtbarkeit zu erhöhen. Oder in der Local-Optimierung zu punkten. Um jeden Preis.

In anderen Bereichen wie Social Media ist das selbsternannte höchste Ziel, die Anzahl der Fans möglichst preisgünstig und schnell zu maximieren. Aber welche Fans „kaufe“ ich mir hier eigentlich? Führen diese später wirklich eine Aktion aus, wie etwa einen Kauf?

Beim Advertising ebenso: Konnte ich die Anzahl der Klicks erhöhen und den CPC noch weiter senken? Wie wurde das gemacht? Habe ich Anzeigen zu Keywords eingekauft, die aber keine weitere Aktion wie etwa den Kauf einer Ware veranlassen?

SEO um jeden Preis? Nein, genau das eben nicht!

Zurück zu SEO. Was nützt es denn, wenn ich zu einem Money-Keyword auf Platz 1 stehe, aber die Seite sieht aus wie hingekotzt und hingeschissen? Oder auf der SEO-Seite gibt es keine Call to Action-Aufforderungen, um das Produkt oder die Dienstleistung wirklich zu kaufen? Oder → das Snippet sieht durch die Überflutung von Keywords in den Suchergebnissen so schlecht aus, dass keiner erst drauf klickt? Oder die Ladezeit der Seite oder das Nachladen von Inhalten braucht so lange, dass der Suchende keine Lust mehr hat und abhaut?

Richtig. Da bringt auch die beste Suchmaschinenoptimierung nicht nur gar nichts, sondern kostet dem Kunden auch noch unnötig Geld. Das bringt dem Kunden auch nicht unbedingt mehr Verkäufe, Buchungen oder Anrufe.

Gutes SEO muss sich mit dem Großen Ganzen, dem Kundenwunsch, immer identifizieren

Wer wirklich seinen Kunden etwas gutes tun will, der muss bei der Suchmaschinenoptimierung auch mal in den sauren Apfel beißen – und eben nicht 100 Prozent des möglichen SEO Potentials ausschöpfen.

Sicher: Wer eine schöne Seite hat, die aber zu nichts in den Suchmaschinen rankt, da sollte man dann doch sich schwer überlegen, seine SEO Strategie zu verbessern. Allerdings darf das nicht bedeuten, dass SEO vor allem anderen geht.

Für das Große Ganze des Kunden brauchen wir:

  • Saubere, leserliche und benutzerfreundliche Inhalte
  • Mehr Eingehen auf die Intention des Suchenden und seiner gestellten Anfrage
  • Call to Actions oder Angebote direkt im oder nach dem Text
  • Weiterführende Infos (bestenfalls intern) verlinkt, aber nicht zwanghaft auf der Seite selbst untergebracht
  • Beharren auf Optimierungsmaßnahmen vergangener SEO-Zeitalter
  • Ansprechendes Design und Barrierefreiheit (mit sauberem HTML)
  • Auch lesbare Snippets, also Title und Meta Descriptions
  • Mehr Rich Snippets Optimierungen

Was wir im Sinne des Kundenwunschs nicht brauchen können:

  • Falsche und Abteilungs-eigene Definitionen von Erfolg
  • Bleiwüsten (Textwüsten)
  • Seiten, welche keinen Mehrwert für den Suchenden bieten (nicht für die Suchanfrage an sich!)
  • Keyword Stuffing
  • Beharren auf die maximale Punktzahl bei WDF*IDF oder der richtigen Keyword Density
  • Und was wir am wenigsten gebrauchen können: Aufgrund von Einfachheit das Stehenbleiben auf dem heutigen Stand.

Wie seht ihr das? Nutzt (oder müsst ihr nutzen) SEO um jeden Preis oder sagt ihr euch auch, dass ein Großes Gesamtbild stets das Ziel einer nachhaltigen Online-Marketing-Arbeit sein sollte? Was fehlt in den Auflistungen oder was seht ihr gerade anders? Schreibt’s in die Comments oder per Reply auf Facebook, Twitter oder Google+. 😉


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